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Ein Beitrag zur Nachkriegsgeschichte des Bergbaus in Bexbach von Uwe Lange


Nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ im Jahre 1945 wurde die Saargruben AG der französischen Régie des Mines de la Sarre angegliedert. Die Régie des Mines, die der Aufsicht des französischen Bergbauministers unterstand, war bis zum Anschluss des Saarlandes 1957 an die Bundesrepublik Deutschland im Besitz aller saarländischen Gruben.

Im Jahre 1949 beschloss die Régie des Mines de la Sarre die Errichtung einer Großschachtanlage und den Bau eines Kohlekraftwerkes auf dem Gelände der ehemaligen Grube Bexbach. Der Bau einer Großschachtanlage wurde erforderlich, weil für die in absehbarer Zeit - schätzungsweise in 15 Jahren - erschöpften Gruben Heinitz und Dechen ein Ersatz geschaffen werden musste. Die von diesen Anlagen geförderten Saarfettkohlen eigneten sich besonders zur Verkokung. Das Kraftwerk St. Barbara sollte in erster Linie den erhöhten Energiebedarf der Saarbergwerke decken. Darüber hinaus war es dafür ausgelegt, Ballastkohle zu verwerten.

Die neue Anlage der Grube St. Barbara, die während ihrer Bauzeit noch die Bezeichnung Grube Hangard trug, wurde im Bereich der ehemaligen Grube Bexbach und der Grube Frankenholz zum weiteren Aufschluss der Fett- und Flammkohlenvorräte im Raume Frankenholz, Ottweiler und Wiebelskirchen errichtet. Die Grube lag ca. zwei Kilometer nördlich des Ortes Bexbach (Bahnstation der Eisenbahnstrecke Neunkirchen - Homburg), dort wo sich heute das Kraftwerk Bexbach befindet. Organisatorisch gehörte sie zur Bergwerksdirektion Bexbach. Die endgültige Entscheidung, diese Großanlage zu bauen fiel zu Beginn des Jahres 1949. Mit entscheidend für die Standortwahl waren mehrere Gutachten aus den Jahren 1920 bis 1948. Ferner war das Terrain bereits erschlossen und eine Anschlussbahn zum Bahnhof Bexbach vorhanden.

Am 14. August 1949 wurde der Schacht St. Barbara angehauen und mit dem Bau der neuen Übertageanlage begonnen. Die neue Tagesanlage war im Hinblick auf Kohleförderung und -aufbereitung auf dem modernsten Stand der Technik. Auffallend an der neuen Tagesanlage war ihre architektonische Gestaltung, hervorstechendes Merkmal waren die klaren Linien. Im Zentrum der Anlage stand der Förderturm - der sogenannte Hammerkopfturm. Er wurde nach seiner Außerdienststellung 1959 unter Denkmalschutz gestellt, 1994 jedoch abgerissen.

Die Schachtfördereinrichtung war mit einer sogenannten Gestellförderung ausgerüstet, die jeweils zwei Etagen besaß. Jede Etage konnte mit einem 5000 l Wagen belastet werden. Die Förderanlage war eine halbautomatische, elektrisch betriebene 3128 KW starke Alsthom-Fördermaschine. Im 2. vorhandenen Turm sollte später eine Skipanlage nachgerüstet werden, eine großes Fördergefäß, um die Transportvorgänge zu beschleunigen und die Kapazität zu erhöhen. Doch dieses Vorhaben wurde nicht mehr realisiert. Auch der großzügig angelegte Grubenbahnhof demonstrierte, dass die Régie de Mines große Erwartungen in die Anlage setzte. Man ging von einer maximalen Tagesförderung von 7.500 t aus. Für die Grob- und Feinwäsche der Kohle war die Aufbereitungsanlage mit einer Schwerflüssigkeitsanlage ausgerüstet.

Im Verwaltungsgebäude, das heute noch erhalten ist, befanden sich der Zechensaal und die Steigerbüros. Einmalig und neu in der saarländischen Bergbauregion war die Einrichtung einer Solesprühanlage, damals ein Meilenstein in der Gesundheitsvorsorge. Die ausgefahrenen Bergleute mussten sie auf dem Weg zur Waschkaue durchlaufen. Man hoffte, mit dieser Maßnahme die Silikosehäufigkeit zu vermindern. Leider zeigte diese Maßnahme nicht gewünschten Erfolge, so dass sie an anderen Standorten nicht zum Einsatz kam. Heute können durch gezielte Staubverhütungs- und –schutzmassnahmen unmittelbar am Arbeitsort wesentlich bessere Ergebnisse erzielt werden und die Silikosegefahr ist weitgehend gebannt.

Mit den Abteufarbeiten des St. Barbaraschachtes, den Ausrichtungsarbeiten und der Herstellung einer Verbindung zur Grube Frankenholz wurde noch 1949 begonnen. Die Arbeiten an der neuen Schachtanlage wurden in drei Bauabschnitte unterteilt. Mit jeder Phase sollte die Tagesförderung um 2500 Tonnen erhöht werden. Zwei Gutachten, die in den Jahren 1936 und 1942 erstellt worden waren, weckten die Hoffnung auf eine tägliche Förderleistung von ca. 8.000 t. Um die einzelnen Bauabschnitte durchführen zu können, wurde der Schacht St. Barbara bis zur 10. (580 m) und 11. Sohle (731,5 m) abgeteuft und durch den Hauptquerschlag 10. Sohle im September 1952 mit der Grube Frankenholz zum Durchschlag gebracht. Nachdem der 1. Bauabschnitt fertiggestellt war, wurde mit der Förderung im St. Barbaraschacht am 8. Juni 1954 begonnen. Um die Kohleförderung aus der Grube Frankenholz aufnehmen zu können, musste 1957 die Richtstrecke Ost aufgefahren werden. Schon zwei Jahre zuvor war die Richtstrecke der 10. Sohle mit dem Allenfeldschacht durchörtert worden. Daneben wurden weitere Strecken zur Hauptausrichtung vorgetrieben um das neue West- und Mittelfeld zu erschließen.

Die gesamte Förderung von 1575 Tonnen pro Tag kam aus dem Ostfeld und dem Mittelfeld der Grube Frankenholz. Im Jahre 1957 existierten zwei Vorrichtungsbetriebe und ein Ausrichtungsbetrieb. Im Westfeld befand sich zur Erschließung der Fettkohle ein Ausrichtungsbetrieb. Zwei Vorrichtungsbetriebe lagen im Ostfeld 1 und 2 der ehemaligen Grube Frankenholz. Ausschließliches Abbauverfahren war streichender Strebbau mit streichendem Verhieb. Mit Ausnahme von einem Streb (Blasversatz), kam bei allen anderen Bruchbau in Anwendung. Die mittlere Mächtigkeit der Strebe lag bei 1,71 m. Sie besaß einen durchschnittlichen Bergeanteil von 0,26 m und hatte eine durchschnittliche Länge von 200 m. Die Untertageleistung betrug 1300 kg/Mannschicht bei einem täglichen Fortschritt von 0,29 m. In den Abbaubetrieben waren insgesamt 540 Mann in sechs Abbauabteilungen beschäftigt.

Bereits beim Abteufen des Schachtes St. Barbara im Jahre 1950/51 und beim Auffahren des Querschlags, ausgehend von dem Schacht V, war offensichtlich, dass aufgrund der zahlreichen Sprünge und Überschiebungen ein Großflächenabbau nicht möglich sein würde. Die Untertageaufschlüsse ergaben zudem, dass die geologischen Verhältnisse auch in dem bisher unbekannten Teil westlich der alten Grube Frankenholz besonders ungünstig waren. Dieses Grubenfeld war von zahlreichen Sprüngen und Überschiebungen durchzogen, die in diesem Ausmaße nicht bekannt oder erwartet worden waren. Entsprechend schlecht entwickelte sich die Förderleistung. Die hohen Betriebsverluste veranlassten den Vorstand 1957 eine Wirtschaftlichkeitsprüfung für die Grube St. Barbara vorzunehmen. Die Ergebnisse bestätigten jedoch die Erkenntnisse und Befürchtungen der Bergwerksleitung aus den Jahren 1950 und 1951, so dass der technische Vorstand, die Bergwerksdirektion sowie die Grubenleiter in ihrer gemeinsamen Sitzung am 19.9.1958 nur noch feststellen konnten, dass „nach einstimmiger Auffassung aller Besprechungsteilnehmer ein wirtschaftlicher Abbau in den Ostfeldern 1 und 2 nicht möglich“ sei. Um dennoch eine wirtschaftliche Tragfähigkeit der Grube St. Barbara zu erreichen, wurde der Abbau von Flammkohle im Bliesfeld (Grube Kohlwald) und im Westfeld 1 und 2 geprüft. Die Untersuchungsergebnisse waren jedoch ebenfalls ernüchternd. Am 29.12.1958 beschloss dann der Vorstand der Saarbergwerke definitiv die Schließung der Anlage. In seiner Pressemitteilung vom 18.1.1959 teilte er lapidar mit: „... die Förderung der Grube St. Barbara ist daher einzustellen“.

Infolge der ungünstigen geologischen Situation untertage gab es Probleme mit großen Mengen an ausströmendem Methangas (schlagende Wetter). Denn die Höhe der Ausgasung eines Gebirgskörpers ergibt sich aus der Stärke seiner tektonischen „Beanspruchung“ und die dadurch erfolgte Verreibung der Kohle. Je häufiger also tektonische Bewegungen in einem Bereich auftreten, desto größer ist die Gefahr, dass bei den Ausrichtungs- und Vorrichtungsarbeiten sowie beim Abbau der Kohle Grubengas ausströmt. Aus der Grube Frankenholz wurde schon in den Jahren 1911-1917 von der siebten Sohle das Gas eines Bläsers durch eine Rohrleitung nach über Tage geführt und als Unterfeuerungsgas für das Kesselhaus verwendet. Erst mit der Inbetriebnahme der Saugstation am Hangard-Schacht im Jahre 1953, entschloss sich die Geschäftsleitung eine systematische Gasabsaugung in Angriff zu nehmen. Zur Gasgewinnung unter Tage kam ausschließlich das sogenannte Bohrlochverfahren zum tragen. Bei dieser Methode wurden Löcher bis zu einer Länge von max. 50 m aus den Strecken über dem Alten Mann gebohrt. Bohrlöcher mit einer ausströmenden Gasmenge von 4 m3/min (85% CH4), d.h. 9.700 m3 Gas (50% CH4) je Tag, waren keine Seltenheit. Bei einer täglichen Absaugmenge von 40.000 m3 und einer Tagesförderung von 1.575 t Kohle kam auf eine Tonne Kohle eine Gasmenge von immerhin 26 m3. Insgesamt wurden 1957 aus der Grube St. Barbara 34,8 m3/t und aus den Saargruben 6,3 m3/t Methangas abgesaugt.

Die Grube Frankenholz-St. Barbara zählte zu den schlagwetterreichsten Gruben Europas. Entsprechend hoch war das Risiko für die Belegschaft. So waren bei Grubengasexplosionen in den Vorgängergruben in den Jahren 1897 und 1941 insgesamt 94 Tote zu beklagen.

Die Belegschaftsstärke lag zwischen 1954 und 1959 bei durchschnittlich 2.200 Arbeitern und 150 Angestellten. Zusätzlich hatte das Bergwerk eine Ausbildungsabteilung mit rund 180 Lehrlingen. Der größte Teil der Mitarbeiter (fast zwei Drittel) wohnte in der nahen Umgebung der Grube St. Barbara. Etwa 800 Männer waren Grenzgänger aus der nahen Pfalz.

Zur Vermeidung, der zum Teil sehr langen Anfahrtswege zum Arbeitsplatz, wurden bis 1958 124 Betriebswohnungen neu erstellt und 40 Betriebswohnungen angekauft. Zum Bau und Erwerb der Wohnungen wurden den Mitarbeitern Darlehen gewährt. Neu in dieser Zeit war die Gründung von Bauinteressengemeinschaften in Frankenholz und Bexbach.

Die Grube unterhielt zur Betreuung ihrer Mitarbeiter und deren Familien eine Werksfürsorge, eine Haushaltsschule und einen Kindergarten. Darüber hinaus verfügte die Grube über eine werkseigene Bergkapelle mit 35 Mitgliedern.

Mit der Entscheidung, die Grube St. Barbara zu errichten, fiel auch der Entschluss für den Bau einer Großkraftanlage. Ein Großteil der Kapazität wurde für den erhöhten Bedarf an Elektrizität im Untertagebereich benötigt, der Rest wurde ins allgemeine Stromnetz eingespeist. Auf Grund der hohen Emissionswerte gerieten die Kraftwerkblöcke jedoch sehr bald in die öffentliche Diskussion. Eine Nachrüstung der Anlage zur Verringerung des Schwefeldioxidausstoßes war aus technischen Gründen nicht möglich, so dass 1988 bzw. 1989 beide Blöcke endgültig vom Netz genommen und abgerissen bzw, verkauft wurden. Anfang der 80iger Jahre baute die Saarbergwerke AG in Kooperation mit anderen Elektrizitätswerken ein zweites Kohlekraftwerk in Bexbach, das von seiner Leistungsfähigkeit und Umweltverträglichkeit den Erfordernissen eines modernen Kraftwerkes entspricht.

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Letzte Änderung:
am 06.02.2007
durch H. Reviol